Milde ist kein Zufall
Das sind die Ursachen für brennendes Mundgefühl bei Edelbränden
Viele Genießer glauben, dass Edelbrände zwangsläufig im Mund oder Hals brennen – insbesondere bei höheren Alkoholstärken. Dieses Klischee hält sich hartnäckig, ist fachlich jedoch nicht haltbar.
Ein brennendes Trinkgefühl ist keine zwingende Eigenschaft von Alkohol, sondern ein Hinweis darauf, dass im Herstellungsprozess an entscheidenden Stellen Kompromisse gemacht wurden. Wenn Edelbrände also beim Trinken brennen, liegt das nicht an ihrer Stärke, sondern an Unruhe im Destillat. Wenn sie ruhig, klar und harmonisch wirken, ist das kein Zufall – sondern Handwerk.
In Gesprächen mit unseren Kundinnen und Kunden hören wir immer wieder, dass unsere Brände ein angenehm sanftes Mundgefühl haben. Das freut uns besonders und zugleich bestätigt es, wie wichtig handwerkliche Präzision ist.
„Eure Brände brennen gar nicht beim Trinken.“ Diese Rückmeldung kommt häufig von Kunden, die Edelbrände bislang eher mit Schärfe oder Brennen verbunden haben – und überrascht sind, dass selbst hochprozentige Brände bei Taunus Brand ruhig, weich und ausgewogen wirken können.
Jan Fischer (Taunus Brand)
Sensorisch betrachtet, wird Milde und Ausgewogenheit besonders beeinflusst durch:
- einen ruhigen, integrierten Alkohol
- einen klaren Mittellauf ohne scharfe Vorlaufanteile
- eine harmonische Verbindung von Frucht, Struktur und Wärme
Es ist kein Effekt, der nachträglich erzeugt wird, sondern das Ergebnis vieler bewusster Entscheidungen entlang des gesamten Herstellungsprozesses – vom Obst bis zur Ruhephase nach der Vermählung.
Woher kommt ein „brennendes“ Trinkgefühl bei Edelbränden wirklich?
Ein brennendes Gefühl im Mund- oder Halsraum ist keine zwingende Eigenschaft von Alkohol oder Edelbrand an sich, sondern kann auf mehrere handwerkliche, technologische oder sensorische Ursachen zurückgeführt werden.
Oft wird das Brennen durch flüchtige, aggressive Alkohole und Vorlaufbestandteile aus der Destillation verursacht. Aber so einfach ist das Thema nicht beantwortet. Entscheidend ist:
1. Obstqualität
Ein sauberer, milder Edelbrand beginnt nicht im Brennkessel, sondern im Obstgarten. Mögliche Ursachen für Schärfe bereits vor der Destillation:
Relevante Einflussfaktoren:
- Überreifes oder angefaultes Obst
- mechanisch beschädigte Früchte
- unreife Gerbstoffe in Schalen oder Kernen
- unerwünschte Mikroflora
Sensorische Folgen:
- erhöhte Bildung von Nebenalkoholen
- harsche, kantige Grundstruktur
- bitter-scharfe Töne, die sich später kaum vollständig trennen lassen
2. Ernte & Maischebereitung
Unterschätzter Einfluss auf spätere Schärfe
Kritische Punkte:
- zu lange Standzeiten zwischen Ernte und Verarbeitung
- Sauerstoffeintrag durch grobes Zerkleinern
- beschädigte Kerne bei Steinobst
Mögliche Folgen:
- oxidative Noten
- erhöhte Bitterkeit
- aggressive Grundstruktur der Maische
Diese Effekte können nicht vollständig „weggebrannt“ werden – sie begleiten den Brand bis ins Glas.
3. Gärung – der zentrale Schlüssel zur Milde
Einer der häufigsten Gründe für „Brennen“.
Mögliche Fehlerquellen:
- zu hohe Gärtemperaturen
- unkontrollierte spontane Gärung
- Hefestress durch Nährstoffmangel
- zu lange Nachgärung
Sensorische Konsequenzen:
vermehrte Bildung von:
- Fuselalkoholen
- Aldehyden
- flüchtigen Säuren
Diese Stoffe erzeugen:
- stechende Nase
- scharfes Mundgefühl
- „alkoholisches Brennen“, das nicht mit Stärke gleichzusetzen ist
Ein Brand mit hoher Alkoholstärke kann mild sein – ein Brand mit niedriger Stärke kann brennen, wenn die Gärung unsauber war.
4. Destillation – Fraktionen entscheiden über Qualität
Vorlauf & Nachlauf als Hauptverursacher von Brennen.
Vorlauf (kritisch für Schärfe)
Enthält u. a.:
- Acetaldehyd
- Methanol (in geringen, gesetzlich regulierten Mengen)
- leichte Ester mit stechendem Charakter
Sensorik:
- stechend
- beißend
- brennend im Hals
Unzureichende Vorlauftrennung ist eine der häufigsten Ursachen für brennende Edelbrände.
Nachlauf (verantwortlich für Bitterkeit & Rauheit)
Enthält:
- höhere Alkohole
- Fettsäuren
- schwere Aromakomponenten
Sensorik:
- bitter
- dumpf
- trocknend
- kratzig
Ein zu später Schnitt führt zu:
- rauem Mundgefühl
- unangenehmem Nachhall
- vermeintlichem „Alkoholbrennen“
5. Vermählung mit Wasser
Ein oft unterschätzter Faktor
Mögliche Fehler:
- zu schnelles Herabsetzen der Trinkstärke
- ungeeignetes Wasser
- fehlende Ruhephasen nach der Verdünnung
Sensorische Folgen:
- instabile Struktur
- alkoholische Schärfe
- unruhiger Geschmack
Hochwertige Edelbrände benötigen Zeit, um sich nach der Vermählung sensorisch zu harmonisieren.
6. Lagerung & Ruhephase
Milde entsteht durch Zeit.
Problematische Faktoren:
- zu kurze Lagerzeit
- häufige Bewegung
- ungeeignete Gefäße
- undichte oder reaktive Materialien
Folgen:
- unintegrierter Alkohol
- scharfe Kanten
- fehlende Balance
7. Holz & Fassreife – Differenzierung ist entscheidend
Ein hochwertiger fassgereifter Edelbrand kann seine Aromen durch die Lager in Holzfässern verändern. Manche Holzsorten enthalten Tannine, die adstringierend wirken, aber dennoch mild sein können. Festzuhalten ist: Adstringenz ≠ Brennen.
Holzeinfluss:
bestimmte Holzarten (z. B. stark getoastete Fässer) können:
- trocknend wirken
- Struktur geben
Dies ist kein Alkoholbrennen, sondern Gerbstoffwirkung.
Bei Taunus Brand darf Stärke spürbar sein
Aber nicht stechend! Dass auch ein Edelbrand mit 50 % vol. als mild empfunden werden kann, zeigt:
Stärke muss nicht brennen, wenn sie handwerklich eingebettet ist. Der Alkohol ist präsent, er trägt die Aromen, er wärmt – aber er drängt sich nicht in den Vordergrund.
Milde ist also kein Zufall, sondern das Ergebnis von Handwerk. Weicher, runder und harmonischer Genuss ist das Resultat:
- sorgfältig ausgewählter Früchte
- sauber geführter Gärung
- präziser Trennung von Vor-, Mittel- und Nachlauf
- geduldiger Ruhephasen
- und einer Vermählung, die dem Destillat Zeit lässt
Ein Edelbrand darf wärmen, er darf Tiefe haben aber er sollte nicht stechen, kratzen oder brennen.
Stärke ist nicht Schärfe
„Je höher der Alkoholgehalt, desto mehr brennt es.“ Ein weit verbreiteter Irrtum! Edelbrand kann kraftvoll sein – und dennoch mild.
Taunus Brand steht für Edelbrände, bei denen Stärke und Milde kein Widerspruch sind. Nicht, weil Alkohol „versteckt“ wird, sondern weil er handwerklich eingebunden ist.
Qualität erkennt man auch am Nachklang
Ein hochwertiger Edelbrand entfaltet sich ruhig im Mund, zeigt Klarheit und Struktur und klingt lange, sauber und ohne Schärfe aus.
Brennen im Mund- oder Halsraum ist kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Zeichen dafür, dass Alkohol und Aromakomponenten nicht harmonisch integriert sind.